Einleiner
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Einleiner bilden das Fundament des Drachensports und sind die ursprünglichste Form des Kites. Wie die Bezeichnung verdeutlicht, ist dieser Kite über eine einzige Leine mit dem Piloten verbunden. Im Gegensatz zu Kites mit Steuerfunktionen liegt der Fokus bei Einleinern primär auf der Stabilität am Himmel, der Ästhetik des Segels oder der Funktion als Lastenträger für Zubehör.
Flugprinzip und Stabilität
Da Einleiner nicht aktiv gesteuert werden können, müssen sie eine hohe Eigenstabilität aufweisen. Dies wird meist durch eine ausgeklügelte Waage (die Anknüpfungspunkte am Kite), die Formgebung des Segels oder durch stabilisierende Anhängsel wie Schwänze oder Fransen erreicht. Ein gut getrimmter Einleiner steht bei konstantem Wind nahezu unbeweglich, wie festgenagelt am Himmel.
Die Stabilität resultiert oft aus der V-Stellung (Diedere Winkel) des Gestänges, die dafür sorgt, dass sich der Kite bei Böen selbstständig wieder ausrichtet.
Bauformen
In der DraDaBa lassen sich Einleiner in verschiedene "Evolutionsstufen" unterteilen:
Klassische Formen
- Eddy: Der Inbegriff des Kinderdrachens in Rautenform. Er benötigt oft keinen Schwanz, da sein gebogenes Quergestänge für Stabilität sorgt.
- Delta: Ein dreieckiger Kite, der besonders bei Leichtwind hervorragende Flugeigenschaften zeigt. Er gleitet fast wie ein Segelflugzeug.
- Rokkaku: Ein sechseckiger japanischer Kampfdrache. Er ist besonders bei "Kite Aerial Photography" (KAP) beliebt, da er enorme Zugkräfte entwickelt und sehr stabil steht.
Zellendrachen und Kastendrachen
Diese Kites sind dreidimensionale Konstruktionen (z.B. der Conyne oder der Coddy). Sie wurden früher oft für meteorologische Zwecke genutzt, um Messinstrumente in die Höhe zu heben. Sie wirken am Himmel fast wie fliegende Architektur und sind aufgrund ihrer komplexen Gestänge-Struktur sehr windstabil.
Sleds und Parafoils (Stablose Kites)
Diese Kites haben kein festes Gestänge und lassen sich klein zusammenlegen. Sleds (Schlittendrachen) sind simpel aufgebaut und ideal für Kinder, während große Parafoils oft als "Lifter" genutzt werden, um Windspiele oder Kameras nach oben zu befördern.
Besonderheiten: Der "Himmels-Anker"
Einleiner-Piloten werden oft als Ankerer bezeichnet. Da keine aktive Lenkung nötig ist, wird die Leine häufig an einem Bodenanker befestigt. Das ermöglicht es, den Kite stundenlang am Himmel zu lassen. Dies ist besonders bei Drachenfesten essenziell, um sogenannte Line-Laundry (Wäsche an der Leine) zu präsentieren. Dabei handelt es sich um aufblasbare Figuren (Bol, Turbinen oder riesige Comicfiguren), die in die Hauptleine eingehängt werden.
Warum Einleiner fliegen?
Einleiner bieten eine meditative Erfahrung. Es geht nicht um Speed oder Action, sondern um das Verständnis von Windströmungen und die Faszination der Form. In der DraDaBa-Community finden sich hier auch die passioniertesten Drachenbauer, die hunderte Stunden in Applikationen (aufwendige Segelbilder) stecken.
Zudem sind sie die einzige Kategorie, die echtes KAP (Kite Aerial Photography) oder KAV (Kite Aerial Videography) ermöglicht, da sie die nötige Ruhe und Tragkraft für Kamera-Equipment bieten.